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Bericht  
50. Kasseler Symposium - Bericht
"Sepsis als interdisziplinäre Herausforderung"
01.-02.06.2007

Vom 01. - 02.06.07 fand das 50. Kasseler Symposium statt, das von Herrn Prof. Dr. K. Reinhard (Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universität Jena) als wissenschaftlicher Leiter betreut wurde.

Thema des Kongresses war die „Sepsis“ („Blutvergiftung“) mit Versagen mehrer Organe. Herausragende Vertreter Ihres Faches stellten Ursache, Erkennung, Behandlung und Bedeutung umfassend dar. So steigt die Zahl der Patienten mit Blutvergiftung national als auch international jährlich um ca. 10%. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen nimmt die Sepsis in Deutschland den 3. Platz auf der Liste der Todesursachen ein. Die Sterblichkeit des vollausgebildeten Krankheitsbildes ist mit ca. 50% unverändert hoch, könnte jedoch durch eine rasche und zielgerichtete Therapie beinahe halbiert werden. Diese Situation verdeutlicht sowohl Notwendigkeit als auch Sinnhaftigkeit der Fort- und Weiterbildung in diesem Bereich.
Die B. Braun Melsungen AG hat die Sepsis nach 1990 nicht nur aufgrund dieser bedrückenden Situation erneut aufgegriffen und zum Thema dieser Jubiläumsveranstaltung gemacht. Zudem nehmen unsere Produkte eine zentrale Bedeutung bei der Behandlung dieser Patenten ein und der wissenschaftliche Austausch mit den behandelnden Ärzten gehört zum „täglichen Brot“.

Wegen der hohen Aktualität des Themas konnten wir mehr als 300 Teilnehmer aus allen Fachbereichen der Medizin (sowohl Ärzte als auch Pflegende) in der Stadthalle versammeln. Diese wurden zudem in Vorträgen und Videoinstallationen erinnert an die Geschichte des Kassler Symposiums als Inbegriff für erstklassige und produktunabhängige Information durch die B. Braun Melsungen AG.


Interaktiver Workshop
Hier bekamen 30 Teilnehmer unter fachkundiger Anleitung durch Dr. Schröder und seinem Team von der Charité in Berlin die Möglichkeit, die kritische Situation einer septischen Erkrankung am Modell zu behandeln. Dafür wurde ein vollständiger  intensivmedizinischer Arbeitsplatz eingerichtet, der angesichts computersimulierter Patientendaten die Durchführung „echter“ Maßnahmen (z. B. Einlegen eines Beatmungsschlauches) an einen Phantom erforderten. Wie im „wahren“ Leben traten unvorhergesehene Ereignisse ein, die von den jeweiligen Teams zu lösen waren.


1. Sitzung „Sepsis als interdisziplinäre Herausforderung“: Kausale Therapie
Beginnend mit dem Vortrag von Prof. Reinhart wurde die klinische und gesundheitsökonomische Bedeutung der Sepsis verdeutlicht. Die Sepsis betrifft ca. 220 Menschen pro 100.000 Einwohner und ist damit häufiger als z. B. Brustkrebs, Dickdarmkrebs und AIDS. Dennoch werden diese Erkrankungen in der Öffentlichkeit prägnanter wahrgenommen und ihre Erforschung stärker unterstützt.
Es zeigt sich jedoch, dass durch einen interdisziplinären Ansatz eine effektive Behandlung möglich ist. Neben einer chirurgischen Behandlung des Infektionsherdes kommt dabei der antibiotischen Therapie entscheidende Bedeutung zu. Diese muss, ebenso wie die adäquate Flüssigkeitsbehandlung, innerhalb der ersten „goldenen“ Stunde nach Beginn der Erkrankung erfolgen, um ein optimales Ergebniss zu erzielen.

2. Sitzung „Sepsis als interdisziplinäre Herausforderung“: Supportive Therapie I
Die unterstützende Therapie besteht in der adäquaten Zufuhr von Flüssigkeit, in der adaptierten Einstellung des Blutzuckers, in der angemessen Schmerztherapie und in der frühzeitigen enteralen Ernährung der Patienten. Nach dem gegenwärtigen Erkenntnis-Stand ist die Verwendung kristalloider Flüssigkeit und Gelatinelösung sicher während eine enge Einstellung des Blutzuckers das Risiko für die Patienten sogar erhöhen kann.

3. Sitzung „Sepsis als interdisziplinäre Herausforderung“: Supportive Therapie II
In dieser Sitzung wurden weiterreichende unterstützende Behandlungsformen dargestellt, die die Prognose des Patienten verbessern können. Neben einer Behandlung der Kreislaufschwäche kommt der adaptierten Unterstützung eingeschränkter Funktionen von Lunge, Niere und Leber eine immense Bedeutung zu.
 

4. Sitzung „Sepsis als interdisziplinäre Herausforderung“: Behandlungsqualität und Lebensqualität
In dieser Sitzung wurde verdeutlicht, welche Bedeutung der Zusammenarbeit von Ärzten und Pflegekräften bei Behandlung der von Sepsis- Patienten zukommt. Die Pflegekräfte nehmen Veränderungen bei Ihren Patienten unmittelbar wahr und leiten erste Maßnahmen selbständig ein. Die Umsetzung eines anerkannt effektiven Maßnahmenbündels in der Behandlung der Sepsis erfordert eine stetige Schulung und Kommunikation des gesamten Teams.

5. Festvortrag von Prof. Gigerenzer „ Die Illusion der Gewissheit“
Dieser Vortrag verdeutlichte, dass der fahrlässige Umgang mit statistischen Zahlen eine scheinbare Sicherheit bei tatsächlich erhöhtem Gefährdungspotential mit sich bringt. Die Darstellung von Einzelfällen, bedingten Wahrscheinlichkeiten und relativen Risiken erhöht das Risiko der fehlerhaften Kommunikation. Als Beispiel sei hier die „99,99%“ Sicherheit des HIV-Testes genannt: Abhängig davon, bei wem dieser Test durchgeführt wird, kann das Testergebnis positiv ausfallen, obwohl die betroffen Personen keine HIV-Infektion hat. Dieses falsch-positive Testergebnis hat jedoch katastrophale Folgen, wie an einem Beispiel gezeigt wurde. Folglich ist nach Referenzklassen, nach natürlichen Häufigkeiten und nach absoluten Risiken bzw. „Number-needed-to-treat“ zu fragen, um Klarheit vermeintlicher Gewissheit zuschaffen.


Sitzungsbewertung
Während der Tagung hatten die Besucher Gelegenheit, die einzelnen Sitzungen anhand eines Fragebogens zu bewerten, wobei sie angeben konnten, ob das Thema für sie von geringem (0%), mäßigem (50%) oder starkem (100%) Interesse war, ob die Erwartungen zum Sitzungsbesuch nicht (0%) oder voll (100%) erfüllt wurden und ob die Diskussion(szeit) angemessen war bzw. zum Verständnis des Themas beitrug.

1.  Thema
Die Themen der Veranstaltung waren für das Publikum von unterschiedlichem, jedoch insgesamt großem Interesse. Sitzung 4 fand einen Zustimmungsgrad von 77%, Sitzung 3 von 89%.

2. Erfüllung der Erwartung
Die Erwartungen wurden in den verschiedenen Sitzungen in unterschiedlichster Weise erfüllt. Für Sitzung 1 wurde eine Erwartungserfüllung von 69% angegeben, für Sitzung 4 hingegen von 77%.

3. Diskussion(szeit)
Auch mit der Diskussion(szeit) waren die Teilnehmer sehr unterschiedlich zufrieden. Sitzung 4 erreichte einen Zufriedenheitsgrad von 57%, Sitzung 2 von 72%. Teilweise wurde die vereinbarte Redezeit von 15 Minuten nicht eingehalten.

Gesamtbewertung
Insgesamt schnitt das Symposium bei der Umfrage gut ab, der Zufriedenheitsgrad mit den Themen betrug über alle Sitzungen nahezu 83%, die Erwartungen wurden zu fast 75% erfüllt. Mit der Diskussion waren fast 66% zufrieden. Es ergab sich damit ein Gesamtzufriedenheitsgrad für das Symposium von 75%, ein im Vergleich zu anderen Veranstaltungen guter Wert (der höchste bisher von uns auf einem Symposium mit dieser Methode erfasste Zufriedenheitsgrad betrug 82%, siehe unten).

Was die einzelnen Sitzungen angeht, so war allerdings die Einschätzung recht unterschiedlich, der Zufriedenheitsgrad betrug zwischen 70% (Sitzung 4) und 79% (Sitzung 3, siehe Abb. 1).
 

Rednerbewertung
Zusätzlich hatten die Teilnehmer Gelegenheit, den Redner zu benennen, der die Zuhörerschaft in der jeweiligen Sitzung am meisten angesprochen hat. So gab es in jeder Sitzung einen „Sieger“, dem wir herzlich gratulieren (siehe Abb. 2).

Benchmarking
Verglichen mit den Kasseler Symposien der letzten Jahre und unserer immer im Dezember stattfindenden Veranstaltung, dem GCP-Workshop, lag die Bewertung dieser Veranstaltung mit 75% Zufriedenheit im Oberfeld und war mit den anderen Veranstaltungen auf vergleichbarem Niveau (bisher bester Wert 83% (siehe Abb. 3)).

gez. PD Dr. med. Martin H. Kirschner

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