| 49. Kasseler Symposium - Bericht |
| „Palliativmedizin: Heilen – manchmal, Lindern – oft, Beistehen – immer“ |
| 23. - 24.06.2006 |
Vom 23.-24.06.06 fand das 49. Kasseler Symposium statt, das von Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. D. Kettler (em. Prof. für Anästhesiologie, Universität Göttingen) als wissenschaftlichem Leiter betreut wurde.
Palliativmedizin in Deutschland ist eine bislang unterrepräsentierte Fachdisziplin der Medizin. Das Ziel, Patienten mit einer nicht mehr definitiv heilbaren Erkrankung unerträgliches, körperliches und seelisches Leid zu ersparen, rückt – auch angesichts der sich wandelnden Alterspyramide – immer mehr in den Vordergrund. So hat die Palliativmedizin in Deutschland in den letzten Jahren einen deutlichen Schub erfahren: Hospize wurden eingerichtet und Lehrstühle mit entsprechenden Krankenstationen geschaffen. Die B. Braun Melsungen AG hat dieses Thema aufgegriffen, weil es sich in die Philosophie des traditionsreichen Familienunternehmens einpasst und einen Bereich darstellt, in dem viele unserer Produkte zum Wohl der betroffenen Kranken und Sterbenden eingesetzt werden können. Wegen der hohen Aktualität des Themas konnten wir mehr als 350 Teilnehmer aus allen Fachbereichen der Medizin (sowohl Ärzte als auch Pflegende) in der Stadthalle Kassel begrüßen.
Als Novum begann das Symposium mit einem Interaktiven Workshop im Bali-Kino, wo zunächst der Film „Mar adentro“ gezeigt wurde. An der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Vertreter aus den Bereichen Ethik, Kirche, Medizin, Jura sowie ein Vertreter der Sterbehilfeorganisation DIGNITAS. Folgende Thesen und Fragen prägten die Diskussionen mit dem Publikum bzgl. Selbstbestimmung über Leben und Tod: 1. Menschen sollen öfter zu Hause sterben können, aber sie sind isoliert, insbesondere durch immer mehr zerbrechende Beziehungen (Kettler). 2. (ärztliche) Hilfe ist in dieser Situation das Wichtigste (Schreiber). 3. Alle dreiviertel Stunde beendet ein Mensch sein Leben selbst (Minelli). 4. Freiheit, die sich selbst aufgibt, ist keine Freiheit (Murmann). 5. Dass „Küchenärzte“ den Tod herbeiführen müssen, ist eine Bankrotterklärung für die Ärzteschaft (Schreiber).
Als Referenten für das Symposium konnten wir hochkarätige Redner, insbesondere aus der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, gewinnen.
Die Hauptveranstaltung war in fünf Sitzungen gegliedert:
1. Sitzung „Palliativmedizin: Wo und wie?“ In dieser Sitzung trugen Spezialisten aus den Bereichen „Ärztliche Praxis“, Intensivmedizin und Krankenhaus vor, wie unterschiedlich Palliativmedizin gelebt wird, je nachdem auf welches Patientengut sie zugeschnitten ist. Insbesondere der Abschlussvortrag von Frau Nerge (Kinderhospiz Sternenbrücke, Hamburg) beeindruckte durch die Hingabe bei der Realisierung des Projektes und den Einsatz für sterbende Kinder. Die Sitzung war geprägt durch die Fragen nach der geeigneten Organisationsstruktur.
2. Sitzung „Palliativmedizin: Aspekte bei verschiedenen Krankheitsbildern“ Hier traten schwerpunktmäßig medizinische Aspekte in den Vordergrund. Die Referenten aus München vermittelten dezidierte Therapiekonzepte für neurologische Leiden und Tumorerkrankungen sowie in einem erweiterten Übersichtsreferat zu Terminalstadien anderer Erkrankungen.
3. Sitzung „Palliativmedizin: Multiprofessionelle Kooperation“ In diesem letzten Abschnitt des Freitags wurden (von Vertretern aus Psychologie, Seelsorge und Pflege) Konzepte vorgestellt, die klar werden ließen, dass nur durch eine kompetenz-übergreifende Arbeit im Team, erfolgreiche Palliativmedizin verwirklicht werden kann.
In der Brüderkirche fand der Festabend statt, der allen Teilnehmern ausreichend Gelegenheit bot, das am Tage Gehörte nachzuarbeiten. Begegnungen bei Life-Musik in diesem sakralen Bau zeigten, dass die in der Palliativmedizin Tätigen durchaus lebensfrohe und -bejahende Zeitgenossen sind.
4. Sitzung „Palliativmedizin: Symptomkontrolle“ Kardinalsymptome wie Verschlüsse des Magen-Darm-Traktes, Atemprobleme, Erschöpfungszustände und insbesondere Schmerzen wurden hier exemplarisch diskutiert. Die Mischung von wissenschaftlichen Aussagen und praktischen Erfahrungen führte zu einer lebhaften Debatte.
5. Sitzung „Palliativmedizin: Selbstbestimmung und Sterbebegleitung“ Im letzten Abschnitt der Veranstaltung wurden wichtige Aspekte zum Thema Selbstbestimmung, Sterbebegleitung und Sterbehilfe diskutiert, wobei die Diskussion von ethischen und rechtlichen Aspekten geprägt war.
Der Festvortrag wurde von Frau Monika Müller zum Thema „Begleitung – unverzichtbarer Bestandteil der Palliativmedizin“ gehalten.
Am Samstagnachmittag wurde den Teilnehmern eine Führung durch das in Deutschland einzigartige Sepulkral-Museum in Kassel ermöglicht. Insbesondere durch das schöne Wetter und die Skurrilität der verschiedenen Ausstellungsabschnitte wurde der Besuch dieses Museums zu einem würdigen Abschluss für ein Thema, das in der Medizin noch keinen festen Platz hat und auch noch nicht selbstverständlich diskutiert wird. Sitzungsbewertung
Während der Tagung hatten die Besucher Gelegenheit, die einzelnen Sitzungen anhand eines Fragebogens zu bewerten, wobei sie angeben konnten, ob das Thema für sie von geringem (0%), mäßigem (50%) oder starkem (100%) Interesse war, ob die Erwartungen zum Sitzungsbesuch nicht (0%) oder voll (100%) erfüllt wurden und ob die Diskussion(szeit) angemessen war bzw. zum Verständnis des Themas beitrug.
1. Thema Die Themen der Veranstaltung waren für das Publikum von unterschiedlichem, jedoch insgesamt großem Interesse. Sitzung 1 fand einen Zustimmungsgrad von 82%, Sitzung 5 von 94%.
2. Erfüllung der Erwartung Die Erwartungen wurden in den verschiedenen Sitzungen in unterschiedlichster Weise erfüllt. Für Sitzung 1 wurde eine Erwartungserfüllung von 69% angegeben, für Sitzung 5 hingegen von 89%.
3. Diskussion(szeit) Auch mit der Diskussion(szeit) waren die Teilnehmer sehr unterschiedlich zufrieden. Sitzung 1 erreichte einen Zufriedenheitsgrad von 62%, Sitzung 5 von 79%. Die Diskussion sollte also in Zukunft mehr Raum einnehmen.
Gesamtbewertung Insgesamt schnitt das Symposium bei der Umfrage gut ab, der Zufriedenheitsgrad mit den Themen betrug über alle Sitzungen nahezu 90%, die Erwartungen wurden zu fast 80% erfüllt. Mit der Diskussion waren fast 70% zufrieden. Es ergab sich damit ein Gesamtzufriedenheitsgrad für das Symposium von 78%, ein im Vergleich zu anderen Veranstaltungen guter Wert (der höchste bisher von uns auf einem Symposium mit dieser Methode erfasste Zufriedenheitsgrad betrug 82%, siehe unten).
Was die einzelnen Sitzungen angeht, so war allerdings die Einschätzung recht unterschiedlich, der Zufriedenheitsgrad mit Sitzung 1 betrug 72%, verglichen mit 86% Sitzung 5 (siehe Abb. 1).
Rednerbewertung
Zusätzlich hatten die Teilnehmer Gelegenheit, den Redner zu benennen, der die Zuhörerschaft in der jeweiligen Sitzung am meisten angesprochen hat. So gab es in jeder Sitzung einen „Sieger“, dem wir herzlich gratulieren (siehe Abb. 2).
Benchmarking Verglichen mit den Kasseler Symposien der letzten Jahre und unserer immer im Dezember stattfindenden Veranstaltung, dem GCP-Workshop, lag die Bewertung dieser Veranstaltung mit 78% Zufriedenheit deutlich im Oberfeld (siehe Abb. 3).
gez. PD Dr. med. Martin H. Kirschner
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