| 45. Kasseler Symposium - Bericht |
| "Was ist gesichert in der Intensivmedizin?" |
| 07.-08.06.2002 |
Am 07./08. Juni 2002 fand in der Stadthalle Baunatal das mittlerweile schon 45. Kasseler Symposium statt, mit dem Titel "Was ist gesichert in der Intensivmedizin?". Das Symposium wandt sich vor allem an Anästhesisten, aber auch an die anderen Fächer, die sich mit dieser Art der Medizin beschäftigen. Es sollten die Standards bei verschiedenen Therapiemaßnahmen wie dem Volumenersatz, der künstlichen Ernährung, der Antibiotika-Therapie ebenso dargestellt werden wie Standards der Überwachung schwerstkranker Patienten, wobei vor allem die Überwachung des Kreislaufs und der Lungenfunktion (Beatmung!) im Vordergrund standen. Für den Laien ist es vielleicht überraschend, daß man sich bei diesem teuersten Segment der operativen Medizin, das ganz entscheidend zu den Erfolgen der operativen Verfahren in den letzten 20 Jahren beigetragen hat (man denke nur daran, mit welch hoher Sicherheit selbst 90-Jährige noch am Herzen operiert werden können), überhaupt fragen muß, was gesichert und sinnvoll ist! Tatsache ist aber, daß bei schwerstkranken Patienten viele neue Behandlungsverfahren ohne vergleichende klinische Studien eingeführt werden, weil man jede Chance der Prognoseverbesserung ergreifen will, so daß es sehr schwer ist, die Bedeutung von Einzelmaßnahmen abzuschätzen. Der Fortschritt in der Intensivmedizin ist weniger einer einzelnen Maßnahme zuzuschreiben, sondern der Summe dieser vielen kleinen Schritte, die in den letzten 20 Jahren (auch bei der apparativen Ausstattung) gegangen wurden. Welcher dieser Schritte dann der entscheidende ist, ist im nachhinein kaum zu entscheiden, ungesicherte Standards haben in die Therapiepläne Eingang gefunden. Viele Maßnahmen sind absolut notwendig, wie z. B. die Gabe eines Antibiotikums bei Infektionen, ohne daß man gewiß sein kann, daß dieses Antibiotikum auch wirkt. Tatsächlich ist in keiner einzigen vergleichenden Studie jemals bewiesen worden, daß ein Antibiotikum bei einer Bauchfellentzündung die Ergebnisse verbessert, obwohl man dies aufgrund von Einzelverläufen wohl annehmen kann. Dies liegt an den fehlenden Kontrollgruppen und der schweren Vergleichbarkeit der Patienten - aber welcher Arzt würde bei einer solchen Entzündung auf ein Antibiotikum verzichten, welcher Staatsanwalt würde dies zulassen? So sind wir unter dem Aspekt der ausufernden Kosten verpflichtet, immer wieder - wie auf dem Symposium geschehen - unsere Therapiemaßnahmen auf ihre Sinnhaftigkeit hin "abzuklopfen".
Das Symposium gab wieder einen hervorragenden Überblick über ein spezielles Thema, was auch in den regen Diskussionen und der Teilnahme der Besucher zum Ausdruck kam. Ca. 250 Teilnehmer hielten mehrheitlich bis zum Schluß der Veranstaltung durch, der Besuch am Samstagvormittag fiel kaum schlechter aus als am Freitagnachmittag.
Sitzungsbewertung Während der Tagung hatten die Besucher Gelegenheit, die einzelnen Sitzungen anhand eines Fragebogens zu bewerten, wobei sie angeben konnten, ob das Thema wenig (0), mittel (50 %) oder stark (100 %) für sie von Interesse war, ob die Erwartungen zum Sitzungsbesuch nicht (0) oder voll (100 %) erfüllt wurden und ob die Diskussion(szeit) angemessen war und zum Verständnis des Themas beitrug, wobei wiederum die Wertung von keiner Zustimmung (0) bis volle Zustimmung (100 %) reichte.
1. Thema Die Themen der Veranstaltung waren für das Publikum von annähernd gleichem Interesse. Sitzung I (Sedierung und antiinfektiöse Maßnahmen) fand einen Zufriedenheitsgrad von 81 %, Sitzung IV (Spezielle Therapie II) von 88 %.
2. Erfüllung der Erwartung Die Erwartungen wurden in den verschiedenen Sitzungen nicht in gleicher Weise erfüllt. Für Sitzung I wurde eine Erwartungserfüllung von lediglich 55 % angegeben, für Sitzung III (Spezielle Therapie I) hingegen von 79 %.
3. Diskussion(szeit) Mit der Diskussion(szeit) waren die Teilnehmer weitgehend zufrieden. Sitzung III erreichte einen Zufriedenheitsgrad von 76 %, Sitzung I von noch 63 %.
Gesamtbewertung Insgesamt schnitt das Symposium bei der Umfrage gut ab, der Zufriedenheitsgrad mit den Themen betrug über alle Sitzungen 85 %, die Erwartungen wurden zu 70 % erfüllt und die Diskussion war gleichfalls angemessen (Zufriedenheitsgrad 69 %). Es ergab sich damit einen Gesamtzufriedenheitsgrad für das Symposium von 74 %, ein im Vergleich zu anderen Veranstaltungen akzeptabler Wert (der höchste bisher von uns auf einem Symposium mit dieser Methode erfaßte Zufriedenheitsgrad betrug 82 %, siehe unten). Was die einzelnen Sitzungen angeht, so war allerdings die Einschätzung recht unterschiedlich, der Zufriedenheitsgrad mit Sitzung I (1. Sitzung am Freitagnachmittag) betrug nur 66 % verglichen mit 81 % bei Sitzung III (1. Sitzung am Samstagvormittag),
Rednerbewertung Zusätzlich hatte das Publikum die Möglichkeit, im Freitext den Redner zu benennen, der es in der jeweiligen Sitzung am meisten ansprach. Auch diese Felder wurden komplettiert, pro Sitzung gab es jeweils einen "Sieger", dem wir herzlich gratulieren.
Benchmarking Diese Art des Benchmarking trägt zur Qualitätssicherung von Tagungen (einschließlich der Zeitplanung) bei und ist bei der Auswahl der Themen hilfreich. Dies zeigen auch die Vergleichsuntersuchungen, die im Jahr 2002 regelmäßig im Zentralblatt für Chirurgie publiziert wurden.
CD-Rom-Publikation Die wichtigsten Vorträge des Symposiums sind als Originalaufnahmen einschließlich Dias und Text auf CD-Rom bei der Fa. medcom, Bahnstr. 29, D-83527 Haag, erhältlich unter dem Titel "Was ist gesichert in der Intensivmedizin?", herausgegeben von Prof. Dr. K. Reinhart, Jena, und Prof. Dr. R. T. Grundmann, Melsungen.
Melsungen, im Juli 2002 gez. Prof. Dr. R. T. Grundmann
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