Home
Vorwort Programm Referenten Anmeldung Information Rückblick   
54. Kasseler Symposium
53. Kasseler Symposium
52. Kasseler Symposium
50. Kasseler Symposium
49. Kasseler Symposium
48. Kasseler Symposium
47. Kasseler Symposium
46. Kasseler Symposium
45. Kasseler Symposium
Gesamtüberblick Kasseler Symposien
Bericht  

51. Kasseler Symposium
"Interdisziplinarität in der Pädiatrischen Intensivmedizin: Fakt, Fiktion, Notwendigkeit?"



Am 20.-21. Juni 2008 fand das 51. Kasseler Symposium statt, welches sich - nach 1979 - wieder die Versorgung schwerkranker, schwerverletzter, kleiner Patienten zum Thema gemacht hat. Wissenschaftliche Leiter der diesjährigen Veranstaltung waren Prof. Armin Wessel und Dr. Michael Sasse von der Abteilung für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover.

Obwohl sich in den vergangenen fast 30 Jahren ganz unzweifelhaft vielfältige Verbesserungen in der intensivmedizinischen Versorgung von Kindern ergeben haben, sind weiterhin viele Einschränkungen in der täglichen Arbeit erkennbar:

Für diejenigen Kollegen, die tagtäglich mit der Versorgung von Kindern betraut sind gehören Off-Label-Use von Medikamenten und eine weiterhin sehr geringe Datengrundlage zu den täglichen Problemen. Da Kinder eine nur kleine Patientengruppe darstellen, werden - verglichen mit den Erwachsenen - wenige Studien durchgeführt. Von daher sind die Behandler auf Modelle angewiesen und gehen nicht selten davon aus, dass Kinder „kleine Erwachsene“ sind. Die B. Braun Melsungen AG führt aktuell Studien im Bereich Pädiatrie durch und hat dies in der Vergangenheit bereits mehrfach getan. So wird ein Beitrag geleistet, diese Unsicherheit zu vermindern.

Für diejenigen Kollegen, die nur gelegentlich, im Rahmen von Notfällen oder im Rahmen der interdisziplinaren Zusammenarbeit, mit der Versorgung von Kindern betraut sind, besteht das Problem der geringen Erfahrung und der damit verbundenen Unsicherheit. Ein möglicher Ausweg aus dieser problematischen Situation ist die Bildung von Netzwerken, in deren Zusammenhang der Rat und die Erfahrung von Experten leichter weitergegeben werden kann (z. B. auch im Rahmen von gemeinsam durchgeführter Ausbildung) und andererseits auch eine effektivere Verteilung der Ressourcen erfolgen kann.

Anhand eines zeitlichen Ablaufs in dem der Weg eines Kindes durch die Notaufnahme, über den Operationssaal, die Intensivstation und schließlich in die erfolgreiche Rehabilitation nachgezeichnet wurde, sollten die Möglichkeiten der interdisziplinaren Behandlung beleuchtet und die derzeit verfügbare Evidenz bei der Behandlung gängiger Probleme hervorgehoben werden. Obwohl es sich um ein eher spezielles Thema handelte, konnten doch wieder 300 Teilnehmer aus den Bereichen der Pädiatrie, Neurochirurgie, Kinderchirurgie, Anästhesie und Intensivmedizin gewonnen werden. Alle Vorträge werden wie immer über http://www.kasseler-symposium.de/ abrufbar sein.

Interaktiver Workshop
Dieser wurde von Dr. Sasse und Mitarbeitern durchgeführt und beinhaltete die Themen „Basic Life Support“, „Sicherung der Atemwege“, „Gefäßzugänge“, „Traumaversorgung im Kindesalter“, „Kardiale Notfälle“ und „Versorgung des Neugeborenen“. Offenbar waren diese Themen gut gewählt, denn die initial 48 zur Verfügung stehenden Plätze waren innerhalb weniger Wochen bereits vergeben. Dank der hohen Erfahrung mit der Durchführung derartiger Workshops und der Bereitschaft noch weiteren Teilnehmern die Teilnahme zu ermöglichen, konnte die Kapazität kurzfristig auf 96 Teilnehmer erhöht werden.

Sitzung 1: „Erstversorgung im Schockraum und Notaufnahme: Angst essen Therapie auf?“
In seinem Übersichtsvortrag „Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Und nun?“ stellte Prof. Wessel die derzeitige Situation in der Versorgung von Kindern dar. Grundsätzlich bestehen für Kinder besondere Chancen in der Rekonvaleszenz. Um diese Chance trotz der bekannten Gefahren nutzen zu können, ist eine spezialisierte Behandlung erforderlich, die man am Besten in einem überregionalen Netzwerk gewährleisten kann.  Für das akute Traumabehandlungsmanagement gelten die gleichen Prozesse wie bei Erwachsenen, obwohl Verletzungslokalisationen, klinischer Verlauf, Outcome und Letalität sonst nicht vergleichbar sind. Bei Verbrennungen ist frühzeitig zu klären, ob eine Aufnahme auf einer spezialisierten Brandverletztenstation erforderlich ist. Bei septischen Erkrankungen besteht mit einer Mortalität von 10-13% eine deutlich bessere Prognose als bei Erwachsenen. Voraussetzung ist auch hier schnelles und kompetentes Handeln. Krampfanfälle können Folge sportlicher Traumen, aber auch von Rauschmitteleinnahme sein. Die Behandlung im Status Epileptikus kann ein sehr differenziertes stufenweises Vorgehen erfordern, daher muss jede Klinik ihr eigenes, klar definiertes Vorgehen haben, um damit sicher umgehen zu können.

Sitzung 2: „Operative Therapie: Kleiner Mensch, große Chirurgie“
Bei der Versorgung von Frakturen der Röhrenknochen zeigt sich ein Trend hin zur frühzeitigen operativen Stabilisierung mit intramedulären Kraftträgerverfahren, wobei viele Frakturen im Kindesalter konservativ behandelbar sind. Kinder und Heranwachsende haben ein hohes Risiko für ein Schädelhirntrauma, dennoch basieren die Behandlungsempfehlungen in der Regel auf Daten von Erwachsenen. Bei der Behandlung von Brandverletzungen ist initial zu prüfen, wie ausgedehnt die Primär- und Begleitverletzungen sind und ob Notfalleingriffe (z. B. Escherotomie, Tracheotomie) erfolgen müssen. Bei ca. 30% der kindlichen Polytraumapatienten liegt ein stumpfes Bauchtrauma vor und zumeist sind Milz oder Leber betroffen. Vor allem der Erhalt der Milz ist geboten. Wesentliche Grundlagen der Schmerzbehandlung sind regionale, kathetergestützte Verfahren. Für das Auftreten bzw. die Vermeidung des posttraumatischen Stresssyndroms ist das Verhalten der Eltern und das Auftreten von Stress bzw. Schmerzen von größerer Bedeutung als die Schwere des Traumas oder der Verlauf des Krankenhausaufenthaltes.

Sitzung 3: „Therapie auf der Intensivstation: Kinderkram?“
Ziele der aktuellen Beatmungsstrategien sind die Erreichung einer guten Oxigenation und eines akzeptablen CO2-Wertes bei optimal-niedriger Atemarbeit. Differenzierte Konzepte für die Katecholamin- und Infusionstherapie sind für die Intensivbehandlung ebenso von Bedeutung wie die Ernährung. Eine mangelhafte Ernährung stellt immer noch ein Problem dar, was zu einer erhöhten Rate postoperativer Infektionen und zu einer Steigerung der Mortalität führt. Der frühzeitige Einsatz von Organersatzverfahren kann die Überlebensrate deutlich verbessern.

Sitzung 4: „Behandlungsqualität gleich Lebensqualität?“
Die neonatale Mortalität in Deutschland liegt im internationalen Vergleich lediglich im Mittelfeld. Potentiale zur Verbesserung liegen in einer Zentralisierung (Beispiel Portugal) und in der gesicherten Qualität der Behandlung in den beteiligten Kliniken. Pflegekräfte können weitreichende Aufgaben übernehmen, hierfür sind eine strukturierte Ausbildung, zusätzliche Qualifikationen, ein interdisziplinäres Teamwork, horizontale Hierarchien und eine berufsrechtliche Regelung erforderlich. Die Prognose kann auch nach schwerem Schädel-Hirntrauma sehr gut sein, sofern die Rehabilitationseinrichtung über Strukturqualitäten (räumliches Angebot, personelle Ausstattung, diagnostische und therapeutische Möglichkeiten) und Prozessqualität (Steuerung des Rehabilitationsprozesses) verfügt. Trotz guter Ergebnisse, stellen schwere Erkrankungen und Verletzungen die Behandler immer wieder vor die Frage nach dem Ziel der Therapie. Dabei ist es notwendig fachliche und moralische Probleme zu unterscheiden, um – falls erforderlich mit ethischer Beratung - zu verbindlichen Lösungen zu kommen.

5. Festvortrag von Prof. W. Schmid: „Lebensrettung für Lebensretter"
Im abschließenden Festvortrag wurden Strategien aufgezeigt, die es den Behandlern und Lebensrettern ermöglichen mit den tagtäglich belastenden Situationen angemessen umzugehen und sich langfristig selbst zu retten. Hierfür wurden verschiedene Arbeiten definiert, die darin münden, das eigene Leben so zu gestalten, dass es bejahenswert bleibt.

-------------------------------------------------------------------------------------

Sitzungsbewertung
Während der Tagung hatten die Besucher Gelegenheit, die einzelnen Sitzungen anhand eines Fragebogens zu bewerten, wobei sie angeben konnten, ob das Thema für sie von geringem (0%), mäßigem (50%) oder starkem (100%) Interesse war, ob die Erwartungen zum Sitzungsbesuch nicht (0%) oder voll (100%) erfüllt wurden und ob die Diskussion(szeit) angemessen war bzw. zum Verständnis des Themas beitrug.

1.   Thema
Die Themen der Veranstaltung waren für das Publikum von unterschiedlichem, jedoch insgesamt großem Interesse. Sitzung 1 fand einen Zustimmungsgrad von 87%, Sitzung 3 von 83%.

2.   Erfüllung der Erwartung
Die Erwartungen wurden in den verschiedenen Sitzungen in unterschiedlichster Weise erfüllt. Für Sitzung 1 wurde eine Erwartungserfüllung von 73% angegeben, für Sitzung 4 von 77%.

3.   Diskussion(szeit)
Auch mit der Diskussion(szeit) waren die Teilnehmer sehr unterschiedlich zufrieden. Sitzung 3 erreichte einen Zufriedenheitsgrad von 65%, Sitzung 5 von 75%. Die Diskussion sollte also in Zukunft mehr Raum einnehmen.

Gesamtbewertung
Insgesamt schnitt das Symposium bei der Umfrage gut ab, der Zufriedenheitsgrad mit den Themen betrug über alle Sitzungen 81%, die Erwartungen wurden zu 69% erfüllt. Mit der Diskussion waren 69% zufrieden. Es ergab sich damit ein Gesamtzufriedenheitsgrad für das Symposium von 73%, ein im Vergleich zu anderen Veranstaltungen guter Wert (der höchste bisher von uns auf einem Symposium mit dieser Methode erfasste Zufriedenheitsgrad betrug 83%, siehe unten).

Was die einzelnen Sitzungen angeht, so war allerdings die Einschätzung recht unterschiedlich, der Zufriedenheitsgrad mit Sitzung 3 betrug 68%, verglichen mit 78% Sitzung 4 (siehe Abb. 1).

Rednerbewertung
Zusätzlich hatten die Teilnehmer Gelegenheit, den Redner zu benennen, der die Zuhörerschaft in der jeweiligen Sitzung am meisten angesprochen hat. So gab es in jeder Sitzung einen „Sieger“, dem wir herzlich gratulieren (siehe Abb. 2).

Benchmarking
Verglichen mit den Kasseler Symposien der letzten Jahre und unserer immer im Dezember stattfindenden Veranstaltung, dem GCP-Workshop, lag die Bewertung dieser Veranstaltung mit 73% Zufriedenheit im Oberfeld und war mit den anderen Veranstaltungen auf vergleichbarem Niveau (bisher bester Wert 83% (siehe Abb. 3)).


gez.
PD Dr. med. A. Schachtrupp

  hoch
Home | Vorwort | Programm | Referenten | Anmeldung | Information | Rückblick |
Nutzungsbedingungen | Impressum |
Copyright © 2012 B. Braun Melsungen AG